09. Februar 2018 - eCommerce & Magento

Quo Vadis eCommerce Teil 2 - "Webseite mit integriertem Shop oder Shop mit separater Webseite?"

"Die Qual der Wahl" oder genau genommen "Die Qual der sinnvollen Wahl" - vor dieser Herausforderung stehen viele Unternehmen, welche überlegen im Zuge eines Relaunches auch einen Magento-Shop mit umzusetzen. Soll ein Magento-Shop in die Webseite integriert werden oder können Webseite und Shop auch komplett in Magento umgesetzt werden?

Teil 2 unserer Blog-Serie "Quo-Vadis Magento" beleuchtet die verschiedenen Pros & Cons der möglichen Umsetzungswege einer repräsentativen Unternehmens-Webseite mit begleitendem eCommerce-Business auf Basis Magento.

Ist es sinnvoll einen Magento-Shop in eine Unternehmenswebseite zu integrieren?

Wir werden oft gefragt wie bei einem Webseiten-Relaunch mit einem möglichen Magento-Shop verfahren werden soll. Auf den ersten Blick erscheint es sinnvoll den Magento-Shop in die geplante Webseite mit zu integrieren, worauf eine Antwort jedoch immer "Kommt darauf an" sein muss....

Welche Zusammenhänge abzuwägen sind, beleuchten wir in diesem Beitrag aus den wichtigen Betrachtungswinkeln.

Einen Magento-Shop in eine Webseite zu integrieren erhöht die Komplexität in Umsetzung und Betrieb deutlich

Einen Magento-Shop in eine Webseite zu integrieren ist aufwendig, da zwei einzelne Systeme miteinander integriert werden müssen. Technisch gesehen werden also Inhalte aus dem Magento-Shop in der Webseite angezeigt. Dabei ist es egal, ob es sich um Wordpress oder Joomla handelt - der Aufwand ist in etwa ähnlich. In typo3 gestaltet es sich durch die Eigenheiten von typo3 aufwendiger, was die Kosten an dieser Stelle zusätzlich erhöht.

Ziel der Integration ist es dabei, das Gefühl "einer Webseite" beim Seitenbesucher zu erreichen, ohne einen Bruch oder eine neue URL zu benötigen. Der Grundgedanke hinter der Integration ist dabei oftmals das Ziel "es dem Nutzer möglichst einfach zu machen", was so in der Praxis selten funktioniert. Um das Ziel von Transparenz und Einfachheit zu erreichen müssen zuerst verschiedene denkbare Szenarien betrachtet werden.

Szenario 1: Ein Unternehmen hat als Hauptzweck z.B. Produktion oder Dienstleistung und möchte über einen Magento-Shop zusätzlich Ersatzteile verkaufen

In diesem Szenario ist der Hauptzweck des Unternehmens die Herstellung von Produkten oder die Durchführung von Dienstleistungen. Der geplante Magento-Shop soll als begleitender Service z.B. Ersatzteile oder Zubehör verkaufen.

Wenn die Webseite zu sehr einem Shop ähnelt - z.B. durch Produkte auf der Startseite oder auch über einen permanent sichtbaren Warenkorb-Button- , dann würde der Hauptzweck des Unternehmens nicht mehr klar ersichtlich sein und zu sehr in Richtung Zubehör und Produkte abgleiten. Die Folge wäre eine falsche Einstufung des Unternehmens und damit auch ein negativer Effekt.

In diesem Szenario empfehlen wir immer zwei Systeme - ein System mit einem guten Enterprise Content Management System und einer zweiten Installation von Magento als Shopsystem. Beide Seiten sind miteinander verlinkt und können auch gegenseitig verweisen. Trotzdem weiß ein Nutzer immer, in welchem thematischen Umfeld er sich befindet... Webseite oder Magento-Shop.

 Szenario 2: Der Hauptzweck der Webseite ist der Verkauf von Produkten online

Sollte der Hauptzweck der Unternehmenswebseite der Verkauf von Produkten online sein, so ist es sinnvoll darüber nachzudenken, inwieweit nicht der komplette Content auch in Magento abgebildet werden kann. Als Shop-System ist Magento weltweit am Weitesten verbreitet, allerdings liegt der Schwerpunkt "out-of-the-box" nicht in der hoch-flexiblen Pflege von Content wie es z.B. in Joomla oder Wordpress der Fall ist. Umfangreicher und häufig geänderter Content ist an manchen Stellen etwas umständlicher und nicht so flexibel pflegbar wie in einem genau dafür definierten CMS.

Trotzdem hat Magento auch ein vollwertiges CMS integriert, welches auch individuell durch gute und kostengünstige Erweiterungen im Magento Connect Store erweitert werden kann. Für die meisten Praxisfälle reicht das CMS vollauf aus und somit kann mit Magento auch eine komplette Webpräsenz mit integriertem Shop umgesetzt werden. Gerade wenn auch die Kauffunktionen zu allen Zeiten präsent sein sollen, spart man sowohl bei den Integrationskosten wie auch natürlich an den Kosten für die zweite Projektierung der Unternehmenswebseite.

In solch einem Szenario sprechen wir uns also auf jeden Fall für eine einzelne Installation auf Basis Magento aus - vor Allem mit Blick auf die deutlich günstigere Projektierung. 

Szenario 3: Der Verkauf von Tickets für z.B. Führungen in der Touristik ist der Hauptzweck der Online Präsenz

Szenario 3 ist ähnlich Szenario 2 - allerdings hier mit der Abgrenzung, dass der Content auf der Webseite z.B. im Bereich Tourismus deutlich mehr Inhalt zu z.B. möglichen Führung oder auch begleitender Dokumentation beinhaltet. Hier sind wir in einem Zwischenbereich in welchem im Content Management System von Magento noch alle Inhalte abgedeckt werden können, aber mit steigendem Umfang an klassischen Webseiten-Inhalten vielleicht mehr Transparenz für Redakteure benötigt . 

Hier muss abgegrenzt werden, wie oft sich Inhalt ändern wird bzw. wie oft neue Inhalt hinzukommen. Auch das vorhandene Know-how der Redakteure muss beachtet werden. Ist Know-how vorhanden und sind die Inhalte trotzdem länger unverändert, dann empfehlen wir eine Umsetzung nur in Magento, um Kosten zu sparen.

Sollte sich der Content allerdings oft ändern oder das Know-how der Redakteure eher im klassischen CMS-Bereich sein, dann kann durchaus auch darüber nachgedacht werden mit Magento und einem weiteren CMS zu arbeiten. Evtl. wird hier der Content dann auch eher in Magento integriert als anders herum - das ist in der Konzeption und Architekturdefinition zu entscheiden.

Trotzdem sollten in diesem Szenario die eCommerce-Funktionen trotzdem immer sichtbar sein - z.B. Login, Kundenkonto und Warenkorb.

Szenario 4: Wenige Produkte, wenig Budget und es wird im ersten Schritt eine Unternehmenswebseite benötigt 

 In Szenario 4 gehen wir davon aus, dass das Budget eingeschränkt ist - aber auf jeden Fall eine neue Unternehmenswebseite benötigt wird. Hier kann man sowohl in Content Management System über eine Shop-Extension nachdenken und somit auch mit eCommerce starten. Was für wenige Produkte und auch mit wenigen Shop-Funktionen noch gut funktioniert, kommt im professionellen Bereich jedoch schnell an seine Grenzen. Der Funktionsumfang von Shop-Extensions ist deutlich eingeschränkt und nicht für den Einsatz in Unternehmen gedacht. Magento bringt deutlich umfangreichere Funktionen mit und bietet weitere Möglichkeiten wie z.B. Multistores unter anderer URL oder auch eine umfassende Warenwirtschaft mit z.B. Sperrmengen und auch Nachbestellnachrichten.

Wenn man also mit geringem Budget als Unternehmen mit Webseite und Shopfunktionen starten muss macht es Sinn dieses Szenario zu analysieren - wir geben allerdings zu bedenken, dass Unternehmen mit diesen Lösungen schnell in eine Sackgasse gelangen, welche durch die deutlich höhere Flexibilität und dem umfassenden Funktionsumfang von Magento vermieden werden kann.

Dieses Szenario können wir nur eingeschränkt empfehlen, da einfach zu unflexibel für die Zukunft des umsetzenden Unternehmens.

Resumee: Magento als Stand-Alone oder integriert mit einem CMS - der Weg ist genau zu betrachten

Wie eingangs bereits geschrieben gibt es keine jederzeit passende Antwort und die benötigte Umsetzungsart muss genau evaluiert werden. In der Praxis wird aus unserer Erfahrung meistens das Szenario 1 vorherschen und dementsprechend mit zwei Systemen gearbeitet, um eine klare Abgrenzung zwischen Unternehmen und zugehörigem Shop zu erhalten.

Bzw. Szenario 2 wenn es sich um ein reines Online-Handels-Business handelt, da keine separate Webseite benötigt wird.

Autor

Michael Rohrmüller, CEO PixelMechanics

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