25. März 2020 - eCommerce & Magento

Welche Stunde schlägt dem Onlinehandel nun mit der Corona Pandemie?

Ungewissheit. Das ist das Gefühl, dass sich in allen Gesellschaftsschichten und Arbeitsbereichen breit macht. Läden müssen schließen, die Bevölkerung soll zu Hause bleiben und Angestellte aus systemrelevanten Berufen arbeiten mehr denn je. Bedeutet das automatisch einen Aufschwung für den E-Commerce? Man mag es kaum glauben, aber auch der Onlinehandel hat starke Einbußen zu beklagen.

Mit welchen Widrigkeiten haben Händler im Internet zu ringen?

  • Wie in anderen Bereichen auch, lässt sich nicht absehen, wie lange diese Krise dauert oder wie tiefgreifend sie Veränderungen hervorruft, und das verunsichert. Viele Arbeitgeber melden sukzessive Kurzarbeit an oder stellen ihre Mitarbeiter frei, weil ihre Arbeitsstellen geschlossen wurden. Das führt zu Existenzängsten, die die generelle Kaufkraft der Bevölkerung mindern.
  • Viele analoge Ladengeschäfte entdecken das Web als Plattform für ihre Produkte, um selbst überleben zu können. Die Angebote wachsen dadurch rasant an, was bedeutet, dass Kunden vielleicht abwandern, um günstigere Produkte zu bekommen. Für mehr Sichtbarkeit wird daher das Marketing hochgefahren, was natürlich mehr Geld kostet.
  • Die Sicherheit der Mitarbeiter muss verstärkt werden. Desinfektionsmittel, passende Kleidung, genügend Abstand untereinander. Das führt zu Schichtarbeiten, Kurzarbeit und höheren Kosten in der Beschaffung von Sicherheitsausrüstung.
  • Logistik und Lieferung geraten an ihre Grenzen. Aufgrund von erhöhter Bestellraten in einzelnen Segmenten und gleichzeitig hohen Krankheitsstand in diesen Bereichen, kommt es zu Engpässen. Das verärgert Kunden und Anbieter in gleichem Maß. Bei eBay zum Beispiel führt eine verzögerte Lieferung zu Veränderungen im Servicestatus auf Seiten des Verkäufers.
  • Es entsteht ein Ungleichgewicht in der Produktauswahl. Während Händler für Mode zu Zeiten einer Pandemie kaum noch gefragt sind, steigt der Bedarf nach Hygieneartikeln und haltbaren Lebensmitteln immens. So geraten die einen in einen Versorgungsengpass mit vielen nicht lieferbaren Produkten und die anderen können ihre Lager nicht leeren.
  • Der Umsatzzuwachs, der bei vereinzelten Produkten jetzt zu verzeichnen ist, wird eventuell nur temporär zu halten sein. Betreiber müssen sich daher jetzt schon auf ein Abflauen ihres Geschäfts einstellen.
  • Händler, die bereits über Multichannel verkaufen, können den ausfallenden Umsatz der Ladengschäfte teilweise auf E-Commerce umschichten. Die geschlossenen Läden sorgen dennoch für Einbußen. Passanten, die spontan den Shop besucht und dort gekauft hätten, werden online nicht so gut erreicht.

 

Die Covid-19-Krise ruft dennoch nicht nur Verlierer hervor. Nischenshops, die Lebensmittel und Hygiene- sowie Reinigungsmittel anbieten, sind gerade sehr gefragt und können ihr Angebot ausbauen. Unterhaltungsmedien erhalten einen Aufschwung, denn Brett- und Videospiele, als auch Bücher und Video Streaming vertreiben die Zeit in häuslicher Isolation.
Nicht zuletzt besteht auch die Hoffnung, dass gewonnene Kunden, die durch die Corona-Krise den Weg zum Onlinehandel gefunden haben, dauerhaft erhalten bleiben.

Welche Chancen zeigt die Corona Krise auf?

  • Die Versicherungsbranche treibt verstärkt digitale Prozesse an, um sich online zu positionieren. Damit will sie nicht nur über das Internet beraten, sondern auch das Produktgeschäft verkaufsfähig machen.
  • Es gibt mittlerweile die Initiative „Händler helfen Händlern“. Dort stehen sich Händler untereinander mit Rat und Tat zur Seite. Zum Beispiel nimmt douglas.de Sortimente dritter Händler auf die eigene Shop Plattform auf und vertreibt deren Produkte mit.
  • Plattformen, wie eBay unterstützen kleinere Händler mit einer starken Minderung von Sanktionen, mit Zahlungsaufschub und dem Schutz des Servicestatus.
  • Es gibt Shops, die Produkte von kleinen, regionalen Händlern vereinen. Die Steigerung der Produktauswahl wirkt attraktiver für Kunden und soll die Kaufkraft ankurbeln, siehe: https://atalanda.com/
  • Für geschlossene Läden entstehen Portale, wie Stammi, wo Kunden ihre Ladenbetreiber mittels Gutscheinen vorübergehend liquide halten und diese in guten Zeiten einlösen können.
  • Kundensupport wird groß geschrieben. Viele Shops betonen die Ansprechbarkeit bei ihren Kunden und setzen damit auf persönlicheren Kontakt via Telefon oder E-Mail. Je näher ein Verkäufer an seinen Kunden dran ist, desto höher wird die Bindung zwischen Kunde und Onlinegeschäft.

Welche Rückschlüsse lassen sich daraus ziehen?

Zusammenfassend ist der Fluch Corona langfristig gesehen ein Segen für die digitale Transformation, auch wenn einige Onlineshops zu kämpfen haben. Die Optimierung der Produktauswahl einzelner Webshops wird geschärft, die Barrieren zum Einkauf dezimiert und Kooperationen entstehen, wo sie vorher nie denkbar waren. Geschäftszweige, die sich nie in die Onlinewelt gewagt hätten, probieren es nun mit Beratungsangeboten und Nischenprodukte sind gefragt wie nie.

Corona ist nicht nur die Zeit des häuslichen Stillstands, sie bietet auch zahlreiche Wege aus der analogen Krise, wodurch viele Unternehmen in Zukunft geschäftsfähig bleiben können, obwohl sie nicht damit gerechnet hätten.

Photocredits:
Photo by Jasmin Sessler on Unsplash

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