Die IP-Adresse
Die deutschen Datenschützer bemängelten die theoretische Identifizierbarkeit von Seitenbesuchern über Google Analytics, da Google die sog. IP-Adresse des Seitenbesuchers ebenfalls erfasst. Theoretisch kann man damit natürlich die einzelne Person nachvollziehen - vorausgesetzt man hat einen richterlichen Beschluss und kann dann auf die Daten des jeweiligen Internet-Providers zugreifen.
Was theoretisch möglich ist - ist aber eigentlich nicht realistisch... aber egal - die theoretische Möglichkeit reicht zur Abmahnung.
Google ändert den "Tracking Code"
Als Antwort darauf veröffentlichte Google kurze Zeit später einen alternativen Tracking Code, der das Mitschreiben der IP-Adresse in Google Analytics selbst ausser Kraft setzte. Damit war der Teil des Seitenbetreibers eigentlich erledigt.
Allerdings ist das in der Praxis nicht so einfach, da Google diesen erweiterten Code natürlich nicht so einfach anbietet, sondern man muss das über die entsprechende Dokumentation zusammensetzen, was sicherlich einige Webseitenbetreiber entweder davon abhielt oder gar nicht auf die Möglichkeit aufmerksam machte.
In der Praxis wurde dieser Code sicherlich eher weniger eingesetzt.
Google gibt dem User die Möglichkeit aus Google Analytics "auszusteigen"
Als zweite Option zur Konformität gegenüber dem deutschen Datenschutzrecht bot Google sogenannte Plugins für die gängigen Browser an, mit welchen ein Internetnutzer aktiv die Möglichkeit hatte, die eigenen Seitenbesuche auf einer Webseite ebenfalls nicht von Google Analytics "mitschreiben" zu lassen. Dieses Plugin gibt es derzeit für den Internet Explorer, Firefox und Chrome.
Diese Option wurde sicherlich auch eher weniger genutzt, da kaum bekannt.
Das Jahr 2011 und der deutsche Datenschutz
Jetzt ist es Anfang 2011 und der sog. Düsseldorfer Kreis um Hamburgs Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar hat die aktuellen Verhandlungen mit Google abgebrochen und erwägt Klagen gegen Seitenbetreiber, die Google Analytics einsetzen - bezogen auf die eingangs erwähnten "Mängel".
Es soll jetzt wohl mit rechtlichen Mitteln durchgesetzt werden, dass Google Analytics in der jetzigen Form nicht mehr in Deutschland zum Einsatz kommen wird.
Potenziell ist davon eine unbekannte - aber sicherlich nicht kleine - Menge an deutschen Webseiten betroffen, die somit abmahngefährdet wären. Wer und wann eine theoretische Abmahnwelle starten könnte ist sicherlich noch ungewiss und auch der Ausgang einer Abmahnung noch offen, aber egal wie, ist es Arbeit und Mühe, wenn eine Abmahnung "ins Haus fliegt".
Was also tun?
Alternativen zu Google Analytics
Wenn man sich nach einer Alternative umsieht, dann muss man im ersten Schritt natürlich abwägen, was denn eigentlich an Funktionen notwendig ist. Google Analytics bietet sehr gute und detaillierte Analysen, die gerade durch die hohe Verzahnung mit Ad-Words-Werbung und Performance-Analysen im Bereich eCommerce seinesgleichen sucht.
Wenn man aber Ad-Words-Werbung aussen vor lässt und auch weniger Informationen im eCommerce-Performance-Bereich wünscht, dann gibt es einerseits gehostete Lösungen aus Deutschland, die teils kostenlose Möglichkeiten bieten (oftmals sind die kostenpflichtigen Erweiterungen dann aber die eigentlich interessanten Analysen) und andererseits aber Möglichkeiten, die man im eigenen "Hoheitsgebiet" installieren kann.
Daten der eigenen Webseite auch im eigenen "Hoheitsgebiet" behalten
Wenn man sich dazu entscheidet von Google Analytics wegzugehen (und eigentlich sollten man das auch tun, wenn man dort bleiben möchte), dann sollte man sich überlegen, ob man wirklich möchte, dass die Daten der eigenen Besuchsfrequenz etc. weiterhin bei einem externen Partner liegen sollen, der dann über alle Daten hinweg Auswertungen gestalten kann.
Wenn man das nicht möchte und explizit sagt, man möchte die Daten der eigenen Webseite auch wirklich gegenüber Externen geschützt halten, dann sollte man sich zu einer eigenen Analyse-Installation entscheiden und diese dann mit der eigenen Webseite "verbinden".
Piwik als eigene Installation
Eine mögliche und auch sehr gute Lösung ist dabei die Lizenz-freie Open Source Lösung Piwik, welche auf einem Webspace mit PHP und mysql-Datenbank installiert werden kann und dann über eine Einbindung eines Codes in die entsprechende Webseite die Besuche der Seite analysierbar macht.
Die Daten der Piwik-Installation liegen dann im Zugriffsbereich des Webseitenbetreibers und können von keinem externen Dienstleister oder Internetnutzer eingesehen werden.
Piwiki ist handlich und einfach nutzbar und bietet auch fortgeschrittene Funktionen an, die man sonst so eben nur von Google Analytics oder oftmals kostenpflichtigen professionell gehosteten Diensten kennt.
Die Tatsache, dass Piwik neben einer ggf. anfallenden Installationsgebühr an einen Dienstleister sonst keine laufenden Kosten generiert macht es um so interessanter.
Eine Online-Demo gibt es auf der offiziellen Piwik-Seite.

Bildquelle: piwik.org
Resumee: Was also tun?
Im Moment (Stand: 10.01.2011) sind es ja erstmal Erwägungen, gegen Webseiten mit Google Analytics vorzugehen, aber es zeigt, dass das Thema immer noch aktuell ist. Webseitenbetreiber, die den angepassten Google Analytics Code verwenden, sind sicherlich besser aufgestellt, als Jene, die den einfachen Code verwenden. Letztere sollten unbedingt den alternativen Code verwenden.
Wer aber sicher gehen möchte, der sollte in Erwägung ziehen auf eine andere Lösung, wie z.B. Piwik umzusteigen und sich diese installieren bzw. einrichten lassen.
Wir empfehlen unseren Kunden auf Piwik umzustellen, um der eigentlich unnötigen Gefahr der Abmahnung in Verbindung mit Google Analytics zu entgehen. Dabei ist der Faktor "Besitzer der eigenen Daten" zu sein ebenfalls ein wichtiges Kriterium.
Weiterführende Links
golem.de - 10.01.2011: Bald Bußgelder gegen Nutzer von Google Analytics?
internet world business - 10.01.2011: Datenschützer bricht Verhandlungen mit Google über Analytics ab - Nachbesserungen genügen nicht
Düsseldorfer Kreis
früherer Blogbeitrag zum geänderten Google Analytics Code
Piwik - Open Source Web Analytics
Bericht bei internet world business
offizielle Seite von Piwik




