Jack Wolfskin - die nächste Marke im PR-Gau

Nicht lange ist es her, da hat Jako erleben müssen, dass ein überzogenes Markenrecht-Schutzverständnis im Netz zu einem PR-Gau werden kann. Damals ging es um einen einzelnen Blogger, der einen Kommentar zum neuen Logo abgeben hatte und dies nicht so gut gelungen empfand.  Für Jako ein Grund, den Blogger zweimal abzumahnen - das Netz und die sozialen Medien bedankten sich mit viel Negativ-PR. Der Schaden geht deutlich über das hinaus, was die Abmahngebühr eingeklagt hatte (die übrigens letztlich auch fallgelassen wurde).

Jako dürfte sich jetzt freuen, da ein anderes Unternehmen in Deutschland jetzt das Staffelholz aufgenommen hat und in eine ganz ähnliche Situation die eigenen Anwälte geschickt hat.

Jack Wolfskin mahnt Bastler ab

Logo Jack WolfskinJack Wolfskin ist als Marke mit einem sehr charakteristischen Schriftzug und dem Pfotenabdruck einer Katze dargestellt. Beides hat schon einen hohen Wiedererkennungswert - aber eben auch eine gewisse Wirkung, die alltäglich ist - immerhin ist jeder Pfotenabdruck irgendwie dem Logo ähnlich - was sicherlich ein sehr gut gewählter Effekt ist.

Jetzt kam jemand bei Jack Wolfskin voller Eifer auf die Idee, doch die generelle Nutzung eines Pfotenabdrucks - und mal ehrlich, den Unterschied zwischen Wolf, Katze und Bär erkennt eh keiner - abzumahnen. Als Ansatzpunkt hat man dann sogar noch eine wirklich Marken-relevante Gruppe von Menschen ins Visier genommen - nämlich die Heimbastler aus der Dawanda-Community, die eben kleine Schmuckstücke etc. mit einem Tazenabdruck verziert haben. Um es abzugrenzen - hier ging es in keinster Weise um Plagiate, sondern um stilistische Elemente und die wurden als Markenrechtsverletzung identifiziert und mit einer kostenpflichtigen Abmahnung versehen.

Es geht um z.B. Artikel für Katzenliebhaber und auch nicht mit dem Anspruch hier Wolfsliebhaber zu bedienen:

Bild eines abgemahnten Artikels mit einer Tatze - Quelle: Spiegel-Online.de

Bildquelle: Spiegel-Online

Die Reaktion im Netz

Dass so etwas nicht einfach hingenommen wird, sollte eigentlich jedes Unternehmen mit einer anständigen PR- und Werbeagentur wissen - anscheinend nicht so bei Jack Wolfskin. Hier war man auf das Resultat anscheinend in keinster Weise vorbereitet...

Die Blogs überschlagen sich im Moment mit Artikeln zu diesem Thema - Twitter läuft heiss mit negativen Stimmen und die grossen Medienportale haben das Thema schon aufgenommen.

Nach nur 36h ist der SEO*-Gau auch noch komplett - bei einer Google-Suche nach dem Begriff "Jack Wolfskin" erscheint an erster Stelle ein Artikel von spiegel-online.de und unter den Top 6  Ergebnisse taucht vier mal das Thema auf. Ein PR-Gau, wie es schöner nicht sein kann. Jeder Suchende bekommt zu allererst die negativen Schlagzeien präsentiert.

In Twitter verhält es sich ähnlich - hier sind sowohl die Blogger aktiv, wie auch Konsumenten und die nehmen kein Blatt mehr vor den Mund und strafen die Marke mit Kritik und Hohn. Ob Jack Wolfskin weiss, was dort abläuft ist offen - soweit man es erkennen kann existiert jedoch kein Corporate Twitter-Account.

Auch Facebook ist eher steifmütterlich bedient und bringt keinerlei offene Kommunikation in die Netzwelt, was auch den Gesamteindruck belegt.

Dawanda löscht Tatzenartikel

Logo DawandaDawanda hat aus Eigeninitiative - und wohl auch zum Selbstschutz - alle Angebote beendet, die auch nur annähernd mit dem Thema zu tun hatten. Zensur oder Selbstschutz?  Auf jeden Fall kein guter Zug.

Damit schwappt das Problem auch noch auf den Plattformbetreiber über, der hier als Dritter es sich auch noch mit den eigenen Nutzern verscherzt. Auch hier wird es sicherlich gewisse Folgen haben - und Dawanda lebt von den Nutzern, die hier nur sehen, dass ihre Interessen nicht geschützt werden, sondern die Plattform sich direkt dem Druck von Jack Wolfskin beugt. Auch nicht gut.

Fazit der Jack Wolfskin Abmahn-Aktion

Jack Wolfskin erscheint gelähmt und fühlt sich sicherlich noch im Recht - immerhin liegen Markenrechte vor und die Anwälte können rechtlich mal grundsätzlich diese Abmahnung ausprechen und vielleicht auch durchsetzen. Die Abgemahnten werden sich kaum wehren können - zu teuer wäre hier der Prozess für einen Einzelnen. Letztlich geht es aber doch für Jack Wolfskin um viel mehr... die Marke bekommt einen negativen Beigeschmack, der sich in den Köpfen vieler Konsumenten festsetzt. Der "Wohlfühlfaktor" - immerhin auf der Startseite mit einem Slogan beworben bekommt einen faden Beigeschmack, der sich sicherlich auch in den Verkaufszahlen zeigen wird. Sicherlich - in 2-3 Jahren ist das vergessen - nur was ist mit der Zeit dazwischen? Wenn Jack Wolfskin es geschickt anstellt, können sie das Beste aus der Situation machen und den Imageschaden reduzieren - nur dafür muss man offen sein und aus der "alten Markendenke"aussteigen - "Das Internet funktioniert heute ANDERS!" **

PS:
Wir haben uns natürlich direkt bei Jack Wolfskin gemeldet und angeboten hier das "Ruder" schnellstmöglich in ordentliches Fahrwasser zu bringen und gemeinsam mit der Community statt gegen das Netz zu arbeiten. Ein Konzept steht bereit, jetzt müssen die verantwortlichen Ohren nur noch zuhören. Wölfe haben ja bekanntlich ein sehr gutes Gehör.

* Search Engine Optimisation: Die Kunst, die eigenen Seiten bei bestimmten Suchmaschinenanfragen - meist bei Google - an möglichst erste Positionen zu bringen.

** "Das Netz funktioniert heute ANDERS!" - Aktueller Titel eines meiner Vorträge zu Unternehmenswebseiten und dem Wesen der "Sozialen Medien und Netze"

Weitere Links:

spiegel-online.de - "Pfoten-Markenrecht"
Patrick Breitenbach - "Jack Wolfskin fletscht die Zähne
Dawanda-Forum der abgemahnten Bastler

Rechtliches:
Das Jack Wolfskin-Logo gehört Jack Wolfskin und ist geschützt. Es wird in diesem Beitrag nur zur Anschauung verwendet.
Der Beispiel-Screenshot einer Tatze ist von Spiegel-Online referenziert und stellt kein Angebot dar, sondern ebenfalls nur eine Anschauung, um was es beispielhaft geht.

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